Lebensmüde!

Da kommt eine 91jährige, für ihr Alter noch recht fitte Rentnerin, wegen einer Blasenentzündung ins Krankenhaus und gut 8 Tage später ist sie in solch einem schlechten Zustand, dass sie so schnell wie nur möglich sterben möchte. Das einzige was sie noch daran hindert ist ihr stark schmerzender Körper der trotzdem noch in der Lage ist ihr Herz weiter schlagen zu lassen.

 

Zu Hause ging alles noch einigermaßen gut, aufstehen, Körperpflege, Essen zubereiten, der Toilettengang, alles deutlich langsamer als 30 Jahre zuvor, aber es ging.

 

Eine Woche später, die Blasenentzündung ist fast ausgeheilt aber alles andere funktioniert nicht mehr. Laufen seit Tagen Fehlanzeige. Aus dem Bett kommt man nicht mehr raus. Und damit das auch nicht mehr notwendig ist bekommt man einen Katheter angelegt.

 

Essen? Wer zum selber Essen keine Kraft mehr hat bekommt Suppe oder Brei aus der Schnapeltasse. Gefüttert oder unterstützt wird hier niemand beim Essen. So kommt es wie es kommen muss, die Lust zur Nahrungszufuhr wird von Tag zu Tag geringer und irgendwann fehlt natürlich auch die Kraft dazu!

 

Kaffee und Kuchen wird überhaupt nicht mehr aufs Zimmer gebracht. Das muss man sich als Patient selber holen. Dumm nur wenn man es nicht mehr kann. Dann gibt es halt nichts oder man hat Glück und die Angehörigen sind da.

 

Der Zimmernachbarin geht es noch schlechter – Gespräche mit dieser fallen somit auch weg. Fernseher ist nicht vorgesehen, Radio gibt es auch nicht geschweige denn mal eine Zeitung, nichts was einem zumindest noch etwas vom Leben „da draußen“ erzählt. Man ist allein, ganz allein, den ganzen Tag und die ganze Nacht.

 

Allein mit seinen Gedanken und den quälenden, starken Schmerzen, ohne Ablenkung und ohne große Hoffnung das alles wieder einmal so wird wie es vor einer Woche noch war.

 

Wie lange braucht ein Mensch um sich dann zu sagen „Ich habe genug“??? 

 

Und dann sitzt du da als Angehörige, hörst diesen Menschen flehen nach dem Tod. Es tut dir in der Seele weh aber du kannst nichts tun, nichts dafür das es besser wird, nichts dafür das es aufhört. Du kannst einfach nur da sein. Auch wenn es schwer ist, sehr schwer.

 

Warum sind alte Menschen in unserer Gesellschaft nichts mehr wert? Warum werden sie so alleine gelassen in den vielleicht letzten Tagen ihres Lebens?? 

 

Nein, die Ärzte, Schwestern und Pfleger, sie können auch nichts dafür. Sie geben ihr Bestes ebenfalls nahe an der Grenze der Erschöpfung sind doch viel zu wenige von ihnen für viel zu viele Patienten verantwortlich. Abschalten muss man können, auf Durchzug stellen, wenn man in solch einem Job dauerhaft bestehen will. Aber kann man das immer? Respekt ihr Ärzte, Schwestern und Pfleger!!!

 

Aber das Problem liegt woanders, viel höher!!!!

 

Warum hat unser Staat unendlich viel Geld für Waffen, Kriege, Korruption, Banken und Pleitestaaten??

 

Geld für die Qualifikation von Fachkräften, den Ausbau von Stellen in Krankenhäusern und Altenheimen?? Fehlanzeige!!!

 

Das hat meiner Meinung nach nichts mit Würde und Respekt zu tun. Eben diese Tugenden welche uns genau diese Generation noch vermittelt hat. Aber das scheint heute alles nicht mehr zu zählen.

 

Wenn ich das so sehe dann kann ich mir später, für meine letzten Tage als Rentnerin auf dieser Welt, nur eins wünschen – das es schnell geht mit dem Sterben, sehr schnell!

 

Marlene Drescher

 

Ein Kommentar

Danni

Das hast du alles sehr gut und vorallem leider richtig geschrieben.
Ich wünsche mir persönlich auch, ein schmerzfreies und schnelles gehen.
Mit 91 Jahren hat man soviele Wichtige Jahrzehnte erlebt.
Schlimme und schöne Erlebnisse gehabt. Und nur wenige Menschen erreichen dieses Alter.
Ich wünsche Euch in dieser Zeit viel Kraft und starke Nerven.
Vorallem soll es der Oma bald besser gehen.

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