Abschied nehmen

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Während meiner Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospizbegleiterin habe ich viel über das Thema Tod und Trauer gelernt. Abschied nehmen ist in der Trauerphase wohl mit einer der wichtigsten Punkte den man bewusst durchlaufen sollte, wenn das möglich ist. Das dies nicht einfach ist habe ich diese Woche am eigenen Leibe spüren müssen.

Meine Oma kam am 19.03.2013 von einem Krankenhausaufenthalt nach Hause. Laufen war nicht mehr möglich. Pflegestufe 3. Parkinson hatte meine einst immer fröhliche und agile Oma in eine Situation gebracht in der sie sicher nie sein wollte. Nicht mehr laufen zu können ist, wie viele andere Einschränkungen im Alter, sicher nicht leicht zu akzeptieren wenn man geistig noch voll da ist.

Die Monate vergingen und der Zustand wurde natürlich schlechter. Nach Besuchen „Tschüss“ zu sagen war eine Selbstverständlichkeit, hatte ich doch nie das Gefühl das wir uns nicht wieder sehen.

Letzten Dienstag war das anders. Schon als ich ihr Zimmer betrat, mein Opa pflegte meine Oma zu Hause, wusste ich, dass an diesem Tag alles anders sein wird. Sie lag schon 4 Tage im Bett, reden konnte sie auch nicht mehr richtig, essen ging deutlich schlechter. Als sie mich sah spürte ich das sie mir gerne etwas sagen wollte, aber es ging nicht. Anstatt dessen liefen ihr Tränen übers Gesicht.

Ich erzählte ihr von unseren Unternehmungen der letzten Tage. Ihre Augen folgten meinem Mund und ihr Blick sagte mir, dass sie genau versteht was ich ihr erzählte. Ich kümmerte mich eine Weile um sie, hielt ihre Hand, gab ihr was zu Trinken und streichelte ihr übers Gesicht. Eigentlich wollte ich an diesem Tag dieses Zimmer nicht verlassen, denn ich ahnte das dies der bisher schwerste Abschied meines Lebens werden wird.

Doch das Leben draußen jagte mich mal wieder und ich lies mich dummerweise jagen. Also ging ich wieder an ihr Bett, streichelte ihre Wange und legte meinen Kopf an ihren. „Ich liebe dich“ waren die einzigen Worte die ich in diesem Moment als angemessen empfand. „Ich liebe dich auch“ kam leise aber deutlich und mit viel Anstrengung aus ihrem Mund. Uns beide liefen in dem Moment die Tränen, war es doch eigentlich ein so wunderbarer Moment, einen Menschen zu sagen das man ihn liebt. Wenn aber beide Menschen wissen, das es das letzte Mal sein wird, macht es die Sache soooo emotional wie ich mir nie hätte vorstellen können.

Mit einem leisen „Machs gut“ verlies ich den Raum und somit auch meine Oma. 24h später schlief sie ruhig und im Beisein meines Opa zu Hause ein.

Warum ich das schreibe? Zum einen weil es sehr gut in die Kategorie „Ehrenamt“ passt. Zum anderen als Hinweis für alle anderen da draußen denen solche Momente vielleicht noch bevor stehen. Es gehört viel Mut dazu sich solch einer Situation zu stellen. Aber es lohnt sich, auch wenn es sehr, sehr traurig ist.

Es klingt wie eine perfekte Situation aus einem Film, aber es beschreibt das wahre Leben. Es war ein Moment den ich mein Leben lang nicht vergessen werde! Genau so wie meine Oma!

Für alle welche nicht die Möglichkeit haben/hatten sich so von ihren Liebsten Abschied zu nehmen empfehle ich, immer all das was noch offen ist oder was man gerne noch sagen möchte, auf ein Blatt Papier zu bringen. Schreibt es nieder um gebt es dem Menschen mit auf seine Reise.

Habt euch lieb!

Marlene Drescher

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